Foto Credit: Lidl Österreich

Wir haben Alessandro Wolf, Vorsitzender der Geschäftsleitung unseres Partners Lidl Österreich befragt, was Nachhaltigkeit für das Unternehmen und ihn ganz persönlich bedeutet.

Lieber Hr. Wolf, was bedeutet Nachhaltigkeit für ein Unternehmen wie Lidl?

Nachhaltig zu wirtschaften ist Teil unserer Unternehmensstrategie. Dabei orientieren wir uns an den drei Säulen: Wir wollen ökologisch, ökonomisch und gesellschaftlich nachhaltig agieren. Soll heißen: Umweltfreundliche Produkte, die unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt werden zu einem günstigen und fairen Preis anzubieten. Das ist unser Ziel. Und das erreichen wir nur gemeinsam mit unseren Stakeholdern, also z.B. den Herstellern, unseren Lieferanten, unseren MitarbeiterInnen und allen voran unseren KundInnen. Dafür arbeiten wir Tag für Tag.

 

Was sind die Herausforderungen dabei?

Wir haben in Österreich einen hart umkämpften Markt, die wirtschaftlichen Herausforderungen sind hier nicht zu unterschätzen. Jeder Schritt in Richtung Nachhaltigkeit muss so gesetzt werden, dass alle betroffenen Stakeholder „mitgehen“ können. Gleichzeitig müssen diese Schritte ambitioniert sein, um auch einen entsprechenden Impact zu erzeugen. Diese Gratwanderung ist nicht immer leicht. In einigen Bereichen geht das einfacher als in anderen. Das ist eine große Herausforderung – gerade, wenn es unmittelbare Auswirkungen auf den Preis von Produkten gibt. Denn nachhaltig produzierte Lebensmittel, die niemand kaufen will, sind nicht nur finanziell, sondern auch klimatechnisch der Supergau. Dann hat niemand was davon.

 

Was hat Lidl Österreich in den nächsten Jahren beim Klimaschutz vor?

Wir haben uns erst kürzlich in der gesamten Lidl-Gruppe den Science Based Targets (SBTs) verschrieben. Das bedeutet, dass wir CO2-Reduktionsziele auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse definieren werden. Wir haben beim Klimaschutz schon viel erreicht, es ist uns aber klar, dass noch große Aufgaben vor uns liegen. Die SBTs werden uns dabei helfen, weitere, zielgerichtete Aktivitäten zu starten und Treibhausgasemissionen zu reduzieren bzw. zu vermeiden. Da wir das als gesamte Lidl-Gruppe angehen, erwarten wir uns davon eine besonders große Schlagkraft.

 

Was hat Lidl mit der REset Plastic Strategie bisher erreicht?

Das Thema Plastikreduktion hat bei uns einen hohen Stellenwert. Und zwar nicht nur in Österreich, sondern in allen Lidl-Ländern. Deshalb haben wir uns im Rahmen der „REset Plastic“-Strategie zwei großen, übergeordneten Zielen verpflichtet:

  • 20 % weniger Plastikeintrag bei Eigenmarkenverpackungen bis 2025
  • Recyclingfähige Kunststoffverpackungen für alle Eigenmarken bis 2025

Wir sind der erste Lebensmittelhändler, der neben vielen anderen Maßnahmen zur Reduktion und Vermeidung von Kunststoff schon seit 2018 in Kooperation mit Lieferanten und Herstellern mit einem Circular Design Guide an der Reduktion bzw. Verbesserung der eingesetzten Kunststoff-Verpackungen arbeitet. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Wir setzen laufend Optimierungen um, die den Einsatz von Kunststoff reduzieren, den Anteil von Rezyklat erhöhen oder die Recyclingfähigkeit der Verpackungen verbessern.

Bestes Beispiel: Zur Herstellung unserer Eigenmarken PET-Flaschen verwenden wir bereits heute durchschnittlich mehr als 50 % Recyclingmaterial. Und unsere PET-Flaschen sind im Schnitt um 30% leichter geworden – unsere Flasche gehören damit zu den leichtesten am Markt. So sparen wir rund 70% frisches PET. Aber auch hier sehen wir noch Potential: Bis 2025 wollen wir den Anteil an Recyclingmaterial in unseren Flaschen auf 75 % erhöhen. Die vielen weiteren Reduktionen und Verbesserungen, die wir bereits realisiert haben, gibt’s auf unserer Homepage www.aufdemwegnachmorgen.at zum Nachlesen!

Um die gemeinsamen Ziele der Kreislaufwirtschaftspaketes in Österreich erreichen zu können, muss gleichzeitig das gesamte Sammel- und Recyclingsystem weiter optimiert, vereinheitlich und vereinfacht werden. In 3 Bundesländern erreichen wir beispielsweise schon jetzt 90% Sammelquote bei Getränkeflaschen. Und: ja – das Verbrennen muss aufhören! Sonst sind viele der Anstrengungen, die wir gemeinsam mit unseren Lieferanten unternehmen, umsonst.

 

Wo sehen Sie weitere große Hebel im Klimaschutz?

Wenn man sich den CO2 Fußabdruck von Lebensmitteln ansieht, wird schnell deutlich, dass dieser Bereich neben der Optimierung von Verpackungen ganz wesentlich ist. Dazu kommt die Kunst, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das ist nicht immer leicht: Wo lasse ich welche Verpackung weg – wie viel und mit welchen Konsequenzen? Immerhin schützt die Verpackung unsere Lebensmittel und hält sie frisch und damit länger haltbar. Im Hinblick auf interne Prozesse haben wir hier schon viel getan, um die Lebensmittelverschwendung zu klein wie möglich zu halten. Lebensmittel, die wir nicht mehr verkauft können, spenden wir. Alle Lidl-Filialen in Österreich haben deshalb sozial-karitative Einrichtungen als Partner, die regelmäßig Lebensmittel abholen.

Selbstverständlich gibt es in unserem direkten Einflussbereich noch viele weitere Bereiche, die wir weiterhin optimieren wollen und müssen.

 

 

Wie sieht ihr persönlicher Beitrag zum Klimaschutz aus? Und wo fällt Ihnen eine Umstellung im privaten schwer?

Das Wichtigste ist, dass hier jeder Einzelne seinen Beitrag leisten kann. Als gebürtiger Schweizer wird man ja durch die teuren Müllsäcke geradezu dazu „erzogen“, sehr genau auf das korrekte Recycling zu schauen. Im Einzelnen ist das zwar nur ein kleiner Beitrag, aber gemeinsam können wir hier einen großen Schritt machen.

Außerdem habe ich meine Frau endlich davon überzeugen können, dass wir uns einen Wassersprudler zulegen. Damit verzichten wir auf zusätzliches PET und ich spare mir das mühsame Schleppen der Flaschen 😊. Eine Umstellung, die schwerer umzusetzen ist, ist das Fliegen. Aber hier haben wir uns vorgenommen, nach der Corona-Zeit unseren CO2-Ausstoss durchs Fliegen zu kompensieren.

Insgesamt ist es natürlich nicht immer leicht, auf Plastikverpackungen zu verzichten. Da haben Handel und Industrie insgesamt noch eine große Herausforderung vor der Brust.

 

 

Beim Klimaschutz kommt man rasch auf die Generationen-Frage zu sprechen an. Sie sind mit erst 34 Jahren zum Vorsitzenden der Geschäftsleitung ernannt worden. Macht das Alter bei diesem Thema tatsächlich einen Unterschied?

Ich denke nicht, dass das Alter per se eine Rolle spielt. Aber die jüngere Generation beschäftigt sich eben mit neuen Fragen. Beispielsweise damit, wie die Welt von morgen aussehen wird. Das ist das Entscheidende. Und wenn man darüber nachdenkt, kapiert man auch schnell, dass wir so nicht weitermachen können. Die Ressourcen unseres Planeten sind eben begrenzt. Ob jung oder alt: Wer das erkennt, der erkennt auch warum Klimaschutz so wichtig ist.

Das Thema Umwelt- und Klimaschutz hat mich persönlich schon in den vergangenen Rollen in der Geschäftsleitung in der Schweiz stark beschäftigt – insbesondere mit dem damaligen Vorzeigeprojekt LNG (liquified natural Gas) im Logistikbereich und dem starken Ausbau der Photovoltaikanlagen auf unseren Immobilien. Diesen Fokus möchte ich auch hier in Österreich in unserer Organisation implementieren – und wir haben schon einige spannende Nachhaltigkeitsprojekte in der Pipeline für die kommenden Geschäftsjahre.