Das System funktioniert nicht

Schau, wo dein Essen herkommt!

Die landwirtschaftliche Produktion hat weitreichende Folgen für unsere Gesellschaft, die weit über die unmittelbaren Konsequenzen für den einzelnen Betrieb hinausgehen. Wir informieren hier über Zusammenhänge, analysieren warum das derzeitige System nicht funktioniert und warum alle profitieren könnten, wenn sich das System in die richtige Richtung ändert.

Folgen für die Gesellschaft

Noch nie hat die Menschheit mehr Lebensmittel pro Kopf produziert als heute – und dennoch leiden nach FAO-Schätzungen 815 Mio. Menschen Hunger. 2 Mrd. Menschen sind von Nährstoffdefiziten wie Vitaminmangel betroffen, gleichzeitig sind fast so viele übergewichtig. Die Weltbevölkerung wächst weiter, derzeit etwa um 1 Mrd. in 12 Jahren. UNO und Weltbank ziehen aus einer Analyse des landwirtschaftlichen Systems den Schluss, dass es auf gar keinen Fall so weitergehen darf, wie es heute der Fall ist. Das heutige Landwirtschaftssystem ist – so die Autoren – nicht geeignet, die Menschen heute und in Zukunft nachhaltig und gesund zu ernähren. Der steigende Druck auf die Ökosysteme und der Klimawandel, nicht zuletzt hervorgerufen durch landwirtschaftliche Produktion, bedrohen die künftige Lebensmittelversorgung.

Vielen Menschen sind die Folgen der landwirtschaftlichen Produktion auf unseren Planeten nicht bewusst. Lebensmittel müssen vor allem billig sein und schmecken. Die niedrige Wertigkeit von Lebensmitteln zeigt sich auch daran, wie viel weggeworfen wird: in der EU rund 180 Kilogramm pro Person und Jahr.

Der niedrige Preis ist aber nur scheinbar so niedrig: einerseits subventioniert die Gesellschaft diesen Preis mittels der Agrarförderungen, die letztendlich über Steuergelder finanziert werden. Zweitens trägt die Gesellschaft die externalisierten Folgekosten bei nicht nachhaltiger Bewirtschaftung: Umweltschäden wie Trinkwasserverschmutzung, Überschwemmungen aufgrund mangelnder Speicherfähigkeit von Böden, negative Folgen für das Gesundheitssystem z. B. durch Antibiotikaresistenzen oder die Folgen übermäßigen Fleischkonsums bilden sich nicht über den Preis ab, werden aber letztendlich von der Gesellschaft getragen.

Traurige Bilanz

815 Mio. Menschen leiden Hunger, 2 Mrd. Menschen von Nährstoffdefiziten betroffen. 2 Mrd. Menschen sind übergewichtig. 1/3 der Lebensmittel landen am Müll.

Gesunde Ernährung wäre nachhaltiger

Insgesamt isst die österreichische Durchschnittskonsumentin relativ große Mengen an Fett, tierischen Proteinen und Zucker. Deutlich mehr als laut offiziellen Ernährungsempfehlungen gesund wäre. Eine gesunde Ernährung würde für Herrn und Frau Österreicher mehr Gemüse und Getreide, dafür einen geringeren Fleischverzehr (etwa 30% des aktuellen Verbrauchs) und weniger Milchprodukte (etwa 80% des aktuellen Verzehrs) bedeuten. Das würde nicht nur die Umwelt, sondern auch das Gesundheitssystem entlasten.

  • Alkohol +43%
  • Fleisch +29%
  • Tierische Fette +80%
  • Äpfel 27%

Mehrkonsum Österreich im Vergleich zum EU-Schnitt.

 (WWF)

Folgen für die Bauern

Die Bauern stehen unter zunehmendem Druck. Viele geben auf, wie die rückläufige Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe zeigt. Die Agrarstrukturerhebung 2016 (Stichprobenerhebung) weist für Österreich 161.155 land- und forstwirtschaftliche Betriebe aus. Das entspricht einem Rückgang von 3% seit 2013. Anders der Trend bei Bio-Betrieben, wo 2016 um 1.600 (+8 %) mehr Biobetriebe als im Jahr 2013 gezählt wurden.

Ungleiche Spielregeln

Landwirte sind mit unterschiedlichen „Spielregeln“ konfrontiert. Denn die „Spielregeln“ für die Landwirtschaft und Verarbeitung unterscheiden sich von Land zu Land – selbst in der EU.

So führen strengere Regelungen mitunter zu einem Marktnachteil für die heimische Produktion. So etwa bei Pute, wo Österreich eine niedrigere Besatzdichte vorschreibt als der Rest der EU. Das führt dann dazu, dass österreichische Puten deutlich teurer sind. Der Konsument entscheidet oft über den Preis, ohne zu wissen, dass es sich um Produkte handelt, die unter unterschiedlichen Bedingungen produziert wurden. Der Selbstversorgungsgrad bei Pute liegt daher unter 40 %. Gerade in der Gastronomie sind österreichische Puten heute eine Seltenheit und das Fleisch stammt nicht selten aus Übersee.

Weniger als die Hälfte

Österreich deckt seinen Verbrauch an Putenfleisch nur zu 40 % selbst ab.

Folgen für die Konsumentinnen

Jeder einzelne Griff ins Regal, jede Bestellung im Wirtshaus, jede Entscheidung am Bauernmarkt hat direkten Einfluss darauf, wie ein Lebensmittel hergestellt wird. Jede Kaufentscheidung beeinflusst, wie die Landwirtschaft aussieht.

Die Österreicher haben – das zeigen Umfragen und teilweise auch das Einkaufsverhalten – ein überdurchschnittlich hohes Bewusstsein für Regionalität und Umweltauswirkungen. Dennoch ist am Ende meist der Preis das Hauptargument beim Einkauf von Lebensmitteln.

Heute geben wir – bezogen auf das verfügbare Einkommen – weniger denn je für Essen aus. Allerdings ist gesunde Ernährung tendenziell teurer. So lässt sich erklären, dass sich Menschen mit niedrigem Einkommen und niedrigem Bildungsstand schlechter ernähren. Das geht sogar soweit, dass Erwachsene mit höherer Bildung mit geringerer Wahrscheinlichkeit fettleibig sind als Menschen mit niedrigerem Bildungsstand. Hier könnte ein Fördersystem ansetzen und durch gezielte Förderung gesunder Lebensmittel eine bessere Ernährung von Menschen mit niedrigen Einkommen fördern.

Transparenz kleingeschrieben

Im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel muss bei vielen Obst- und Gemüsearten sowie bei den meisten Fleischarten die Herkunft angegeben sein, sofern diese frisch und verpackt verkauft werden. Die Herkunft der Zutaten von verarbeiteten Produkten wie Convenience-Gerichten muss aber nicht angegeben sein: Das Fleisch in der Tiefkühllasagne, die Eier im Brotaufstrich, der Analogschinken auf der Pizza. Herkunft ungeklärt.

Auch in der Gastronomie und in Kantinen von Unternehmen, Krankenhäusern, Schulen etc. ist es mit der Kennzeichnung meist nicht weit her. Im Außer-Haus-Konsum muss die Herkunft von Lebensmitteln nicht angegeben sein. Der Gast erfährt daher nichts darüber, ob das Backhendl in Ungarn, Österreich oder vielleicht doch in Brasilien gemästet wurde.

Einige Gastronomiebetriebe geben inzwischen freiwillig in der Speisekarte an, woher die Rohstoffe ihrer Gerichte stammen. In der Schweiz ist die Herkunftskennzeichnung für Fleisch in der Gastronomie hingegen verpflichtend.

Herkunft

Das Fleisch in der Tiefkühllasagne, die Eier am Frühstücksbuffet, der Schinken auf der Pizza. Der Konsument kann die Herkunft nicht feststellen.

Folgen für die Umwelt

Verlust der Artenvielfalt

Die Artenvielfalt in ganz Europa ist durch die jahrhundertelange landwirtschaftliche Nutzung eng an die Landwirtschaft gebunden bzw. davon abhängig. Mit der Intensivierung der Bewirtschaftungsmethoden und der Veränderung der Landnutzung im großen Stil sind jedoch in den vergangenen Jahrzehnten Lebensräume und Arten in hohem Maße verloren gegangen.

Vögel beispielsweise gelten auf landwirtschaftlich genutzten Flächen als überdurchschnittlich stark gefährdet: 45 % befinden sich auf der Roten Liste und über 30 % auf der Vorwarnliste. Noch schlechter steht es um Insekten und die ehemals für Grün- und Ackerland typischen Pflanzen, die bis zu 95 % verschwunden sind.

Die Ursachen für den Artenverlust sind vielfach, vor allem die intensive Flächenbearbeitung, der Pestizideinsatz, der Mangel an Landschaftselementen und die Vereinheitlichung des Bodens etwa durch Be- oder Entwässerung führen dazu, dass die Artenvielfalt sinkt.

%

75 % aller Vögel sind gefährdet – davon gelten bereits 45 % als sehr stark gefährdet.

  (WWF)

Sortenvielfalt

Seit Sesshaftwerden der Menschen vor ein paar tausend Jahren entwickelten die Menschen durch Nutzung und Auslese die Vielfalt von Kulturpflanzen und Nutztieren.

Um 1900 wuchsen in Österreich ca. 3.000 bis 5.000 Apfelsorten – heute sind es nur mehr 400 bis 500. Die FAO schätzt, dass in den letzten 100 Jahren rund 75 % der Sorten unwiederbringlich verloren gegangen sind! Rund 75 % der heutigen Nahrungsmittelproduktion basieren auf lediglich 12 Pflanzen- und 5 Tierarten.

Weniger Sortenvielfalt bedeutet aber nicht nur weniger Geschmacksvielfalt und Abhängigkeit von wenigen „Patentinhabern“, sondern auch sinkende Widerstandsfähigkeit unserer landwirtschaftlichen Produktion, da der Erhalt der Vielfalt eine wirksame Strategie ist mit den sich rasch verändernden Umweltbedingungen umzugehen. Z. B. ist im Obstbau sinnvoll, Sorten mit unterschiedlichen Blühzeitpunkten zu wählen, um Frostschäden gering zu halten.

Asphalt statt Wiesen

In Österreich nimmt die landwirtschaftlich nutzbare Fläche ab. Immer mehr Boden wird verbaut, im Zeitraum von 2014 bis 2016 waren es in Österreich 14,7 Hektar pro Tag. Die auf landwirtschaftlicher Fläche hergestellten Güter wie Lebens- und Futtermittel sowie Kleidung, Kosmetikartikel und Agrartreibstoffe werden zunehmend anderswo auf der Welt hergestellt. Das Potenzial, im Inland ausreichend Lebensmittel und landwirtschaftliche Güter auf heimischen Flächen herzustellen, sinkt.

Reden wir über das Klima

Die Landwirtschaft ist für bis zu einem Drittel der weltweit ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich. Vor allem die weltweite Nutztierhaltung gehört mit rund 15 % der Treibhausgasemissionen zu den wichtigsten Verursachern der globalen Erwärmung. Dazu gehören sowohl direkte Emissionen wie z. B. aus dem Magen freigesetztes Methan bei Rindern, vor allem aber Emissionen bei der Futtererzeugung inklusive Abholzungen zur Landumwandlung. Rinder haben einen schlechten Ruf, was Ihre Treibhausgasbilanz betrifft. Allerdings muss man hier unterscheiden, wie hoch der Anteil an Grünfutter am Speiseplan der Rinder ist. Die Kuh an sich ist nicht der große Klimaschädling, sie wird es erst dadurch, dass man sie vom Grünland immer mehr wegsperrt und ihr zu hohe Getreide-Kraftfutterrationen verfüttert.

Auch der Einsatz von Pestiziden und Mineraldünger in der konventionellen Landwirtschaft ist verantwortlich für die hohen CO2-Emissionen.

Wasserverbrauch – tierisch viel Wasser im Essen?

Die Landwirtschaft ist weltweit der größte Verbraucher des verfügbaren Süßwassers. Laut dem Weltagrarbericht gehen 70 % der Entnahme des „blauen Wassers“ aus Wasserläufen und Grundwasser auf ihr Konto, dreimal mehr als noch vor 50 Jahren. Gut 40 % aller Lebensmittel werden weltweit auf künstlich bewässerten Flächen angebaut. Auch in Österreich ist Bewässerung zunehmend ein Thema.

Dünger – das Gülleproblem

Pflanzen brauchen Nährstoffe um zu wachsen. In erster Linie benötigen Pflanzen Stickstoff. Hoher Einsatz von Mineraldünger und Gülle aus der Tierhaltung führt zu hohen Nitratbelastungen. Obwohl seit den 1970er und 1980er Jahren eine deutliche Besserung erreicht wurde und die Nitratgehalte gesenkt werden konnten, besteht das Problem auch heute weiter und dehnt sich sogar in die Almregion aus.

Pestizide

Pestizide – auch Pflanzenschutzmittel genannt – sind Substanzen, die gegen tierische Schädlinge, Pflanzenkrankheiten oder unerwünschtes Beikraut eingesetzt werden. Sie werden nicht nur in der Land- und Forstwirtschaft an sich, sondern auch in der Lagerhaltung und der weiterverarbeitenden Industrie sowie im öffentlichen Raum (Straßen, Kinderspielplätze, Bahntrassen, Parks etc.) und in Privatgärten eingesetzt.

In der konventionellen Landwirtschaft kommen überwiegend chemisch-synthetische Wirkstoffe zur Anwendung, während im biologischen Landbau mit Substanzen gearbeitet wird, die in der Natur auch natürlich vorkommen.

Wirkstoffe, die zur Bekämpfung von anderen Pflanzen (Unkraut) eingesetzt werden, heißen Herbizide oder Unkrautvernichtungsmittel. In diese Gruppe fällt beispielsweise der Wirkstoff Glyphosat. Substanzen, die gegen tierische Schädlinge wirken, sind Insektizide (auch Insektenvertilgungsmittel genannt). Hier ist zum Beispiel die Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide (kurz Neonics) zu erwähnen, die wegen ihrer Bienenschädlichkeit in die öffentliche Aufmerksamkeit geraten sind.

Pestizide werden dafür entwickelt, Organismen zu töten oder ihr Wachstum zu hemmen, und sind daher potenziell auch für andere Lebewesen giftig. Die gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Pestiziden auf den Menschen sind in zahlreichen Studien belegt und reichen von Reizungen der Haut, Augen oder Atmungsorgane über Fortpflanzungsstörungen und Unfruchtbarkeit bis zu verschiedenen Arten von Krebs sowie Diabetes oder Parkinson.
Auch die Auswirkungen von Pestiziden auf die Umwelt sind weitreichend. Chemisch-synthetische Pestizide können schädlich für Wasserorganismen sein, für Vögel, Bodenlebewesen (z. B. Regenwürmer), für Bienen und andere Bestäuber und auch für Säugetiere. Eine Reduktion von Kleinlebewesen reduziert automatisch auch das Futterangebot für Vögel und Raubtiere. Die Giftstoffe beeinflussen daher das ökologische Gleichgewicht der Natur und die Artenvielfalt.

Pflanzenschutz im Bio-Landbau

Die biologische Landwirtschaft versucht mit Hilfe umweltschonender Maßnahmen, Pflanzenschutz auf natürliche Weise zu gewährleisten. Es dürfen dabei keine chemisch-synthetischen Pestizide verwendet werden, stattdessen setzt man auf natürliche Pflanzenschutzmittel und pflanzenstärkende Maßnahmen.

Diese Methoden sind oft aufwendiger, weil sie z. B. einen geringeren Einsatzzeitraum haben, in dem sie wirksam sind. Die Biolandwirtinnen müssen ihren Bestand daher genauer und öfter beobachten und begehen, um allfällige Probleme rasch zu erkennen. Auch die im Bio-Landbau eingesetzten Pflanzenschutzmittel sind umstritten, wie etwa der Einsatz von Kupfer im Weinbau.

Nutztierhaltung

Österreich hat eines der strengsten Tierschutzgesetze weltweit. Laut § 5 Abs (1) des österreichischen Tierschutzgesetzes ist es verboten, „einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen oder es in schwere Angst zu versetzen“. Allerdings gibt es viele Beispiele aus der gängigen Praxis, die bezweifeln lassen, dass dieser Grundsatz wirklich umgesetzt wird. Ein Beispiel: Die Schwänze von Schweinen können zum Beschäftigungsmaterial von anderen Schweinen werden, wenn diese nicht ausreichend Platz und Beschäftigung haben. Sprich die Schweine beißen sich gegenseitig in die Schwänze und fügen sich Verletzungen zu. Und das passiert, obwohl die Platzvorgaben des Tierschutzgesetzes eingehalten werden. Bei Tieren, die genug Platzangebot und Möglichkeiten zur Beschäftigung haben, findet man dieses Verhalten nicht. Derzeit ist die gelebte Praxis, den Tieren vorbeugend die Schwänze abzuschneiden. Allerdings ist das eine klassische Symptombekämpfung. Eine andere – artgemäßere, aber teurere – Lösung wäre, ihnen mehr Platz und Beschäftigung zu bieten.

Wenig Vielfalt

Rund 75 % der heutigen Nahrungsmittelproduktion basieren auf lediglich 12 Pflanzen- und 5 Tierarten.

Antibiotika

Im Jahr 2016 wurden in Österreich 44,4 Tonnen antimikrobiell wirksame Substanzen zur Behandlung von Nutztieren in Umlauf gebracht. Beinahe 40 % der in Österreich eingesetzten Antibiotika werden in der Nutztierhaltung eingesetzt.
Das Hauptproblem beim flächendeckenden Einsatz von Antibiotika besteht darin, dass die Bakterien, die von einem Antibiotikum bekämpft werden sollen, Resistenzen ausbilden können. Durch die hohe Teilungsrate von Bakterien (rasche Generationenabfolge) können sich für die Bakterien günstige Mutationen, wie zum Beispiel die ausgebildete Resistenz gegen ein sie bekämpfendes Antibiotikum, sehr rasch durchsetzen.

Ist ein Antibiotikum aufgrund von Resistenzen nicht mehr wirksam, wird auf Reserveantibiotika zurückgegriffen. Werden auch die breit eingesetzt, kommt es auch hier zu Resistenzbildung.

Die Bildung von Resistenzen stellt ein zunehmendes Problem dar, da die Antibiotika für Menschen und Tiere dieselben sind und somit bei der Bildung von resistenten Keimen auch Menschen direkt betroffen sind. Außerdem werden heute Antibiotika, die als Reservesubstanzen in der Humanmedizin gelten, in der Nutztierhaltung als Standardsubstanz verabreicht.

Die Eiweißlücke

Wir nehmen Eiweiß als Nahrung auf und unsere Körper wandeln das Eiweiß in unseren Körpern zu Aminosäuren um, die der Grundbaustoff unserer Zellen sind. Eiweiß gilt daher als essenzieller Nährstoff unserer Ernährung.

Der Eiweißbedarf Österreichs liegt insgesamt bei rund 1,5 Mio. Tonnen. Das ist deutlich mehr, als wir selbst produzieren können. EU-weit entsteht eine Eiweißlücke, die vor allem über Sojaimporte aus Südamerika gedeckt wird. Eine Selbstversorgung mit ausreichend Proteinen ist bei Beibehaltung der derzeitigen fleischbasierten Ernährungsweise nicht möglich.

Tierische Ernährung braucht wesentlich mehr Ressourcen als pflanzliche: Füttert man einem Rind 100 g Eiweiß über Soja, so erhält man in Folge nur knapp 4 g Eiweiß über dessen Fleisch! 96 von 100 g gehen damit in die Fütterung. Soja (oder andere eiweißreiche Nahrung wie Hülsenfrüchte) selbst zu essen, wäre also eine wesentlich effizientere Form der Eiweißnutzung.

Der Verzehr von pflanzlichen Produkten statt deren Verfütterung an Nutztiere spart somit große Mengen an Anbaufläche und damit verbundene Ressourcen (Düngemittel, Pestizide, Wasser) sowie Treibhausgasemissionen ein.

Unser Fleischhunger fällt Bäume

Durch die steigende Nachfrage nach tierischen Lebensmitteln wird immer mehr Anbaufläche benötigt. Dafür müssen naturbelassene Flächen wie zum Beispiel Primärwälder oder Moore in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt werden. Die bekanntesten Beispiele hierfür sind der Sojaanbau und Palmölplantagen. Palmöl spielt zwar in der Nutztierhaltung keine Rolle, die zunehmende Nachfrage nach Fleisch führt aber zu einer Flächenknappheit, die die Plantagenbetreiber immer weiter in unberührte Gegenden treiben.

Palmöl

Die stetig wachsende Nachfrage auf dem Weltmarkt führt seit Jahren dazu, dass für Ölpalmenplantagen in großem Stil tropische Wälder (vor allem in Südostasien) gerodet werden. Die Liste der Naturschäden ist lang: Für großflächige Monokulturen wird ursprünglicher Regenwald vernichtet – oft verbunden mit illegaler Landnahme und der Vertreibung der Bevölkerung.

Palmöl ist im Vergleich zu alternativen Pflanzenölen sehr effizient im Anbau und lässt sich extrem einfach und vielseitig einsetzen. Diese Eigenschaften machen es für die Industrie sehr nützlich. Außerdem hat Palmöl in einigen Regionen zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, vor allem auch der armen ländlichen Bevölkerung, geführt. Doch Palmöl hat auch seine Schattenseiten. Da die Ölpalme nur in tropischen Gebieten – den artenreichsten Regionen unserer Erde – wächst, gefährdet ihr Anbau und die damit verbundenen Abholzungen vielerorts bedrohte Tiere und Pflanzen.

40 % der Antibiotika

Beinahe 40 % der in Österreich eingesetzten Antibiotika gehen in die Nutztierhaltung.

Soja

Österreich ist zwar mit rund 44.000 Hektar das fünftgrößte Sojaanbauland der Europäischen Union (in absoluten Zahlen), doch diese Menge reicht bei Weitem nicht aus, um den Hunger vor allem der heimischen Nutztierhaltung zu stillen. Denn der Großteil des Sojas geht in die Futtermittelherstellung. So werden jährlich zwischen 550.000 und 600.000 Tonnen gentechnisch verändertes Soja importiert (also rund 70 kg pro ÖsterreicherIn), für das zum Großteil südamerikanischer Regenwald abgeholzt werden musste. Bei der Abholzung von Regenwald gehen nicht nur wertvolle Pflanzen- und Tierarten für immer verloren, es entstehen auch enorme Mengen Treibhausgasemissionen.

Import von GenSoja

Jährlich werden zwischen 550.000 und 600.000 Tonnen gentechnisch verändertes Soja importiert (also rund 70 kg pro ÖsterreicherIn), für das zum Großteil südamerikanischer Regenwald abgeholzt werden musste.

Hier findest du noch mehr Hintergrundinformationen:

Spende für MUTTER ERDEspendenguetsiegel_muttererde_05979

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