Low-Carb, High-Carb, Trennkost, Vollwertkost. Unser Gastautor Thomas Angermann von  myfoodmyfuture.com hat alles mögliche ausprobiert. Er wollte sich gesund ernähren, die Umwelt und das Klima waren dabei eher nebensächlich. Nach langem Suchen hat er seinen Mix gefunden und dabei geht es auch darum, im Einklang mit der Natur zu essen. Vielleicht ist da auch für euch etwas dabei? Danke Thomas, für deinen Gastbeitrag. 

 

Mit der Natur und nicht gegen die Natur!

Als ich vor 10 Jahren meine Ernährung komplett umstellte und die beste Ernährung für meinen Körper suchte, habe ich erstmal mit verschiedenen Büchern und Diäten angefangen. Über die Umwelt und CO2 machte ich mir während dieser Zeit noch wenige Gedanken.

Unter meinen Versuchsdiäten waren zum Beispiel Low-Carb, High-Carb, Trennkost, Vollwertkost, biologisch, zuckerfrei, vegetarisch und sogar ein ganzes Jahr lang vegan. Je mehr ich mich mit Ernährung beschäftigte, umso klarer wurde mir, dass wir Menschen auf der Suche nach der besten Ernährung meistens folgende Phasen durchlaufen:

  1. Als Erstes wenden wir uns von unserer bisherigen Ernährung ab, weil wir verstanden haben, dass sie die Ursache so mancher Leiden ist.
  2. Anschließend testen wir mehrere Diäten aus, die meisten davon sind wissenschaftlich belegt. Hier befinden wir uns oft in einer Wissensblase, weil wir denken, wir wüssten alles über gesunde Ernährung.
  3. Bei vielen Menschen kommt dann noch etwas Spirituelles, wie zum Beispiel die chinesische Medizin, hinzu.
  4. Am Ende erreichen wir die letzte Phase, in der wir endlich lernen, dass gesunde Ernährung eine Lernphase über das ganze Leben hinweg ist. Wir haben verstanden, dass wir die Welt nicht so sehen, wie sie ist, sondern nur so, wie wir selbst sind. Es ist die natürliche Ernährung des Menschen.

Heute habe ich nur noch eine einzige kleine Regel, wie meine Ernährung aussieht, und zwar so naturnah wie nur irgendwie möglich. Und weil Haushaltszucker oder künstliche Süßstoffe nicht auf Bäumen wachsen, lebe ich auch immer noch industriezuckerfrei.

Nur wenn wir im Kreislauf der Natur leben und nicht gegen die Natur, ist eine gesunde Ernährung und ein nachhaltiges, gesundes Klima möglich.

 

8 Tipps für gesunde Ernährung & gesundes Klima

Interessant ist beispielsweise, dass wenn wir uns wirklich gesund ernähren, wir gleichzeitig auch dem Klima helfen. CO2 wird reduziert und weniger Ressourcen werden verbraucht. Auch den Tieren wird somit eine artgerechte Haltung ermöglicht.

Hier gebe ich einige hilfreiche Tipps, wie wir klimafreundlich und gesund essen können.

Tipp 1: Biologische Lebensmittel

Wenn wir CO2 sparen wollen, ist der Griff zu Bio-Lebensmitteln sicher zu bevorzugen. Keine chemischen Pestizide, keine chemischen Dünger und eine möglichst artgerechte Tierhaltung. Ich kaufe meine Lebensmittel am liebsten direkt bei Demeter Betrieben, auch wenn es davon leider noch viel zu wenige gibt. Die Lebensmittel dieser Betriebe haben eine sehr hohe Qualität, weil sie im Einklang der Natur erzeugt werden.

Tipp 2: Saisonale und regionale Lebensmittel

Durch große beheizte und beleuchtete Gewächshäuser wachsen unsere Tomaten- und Gurkenpflanzen heute nicht mehr in der Muttererde, sondern auf künstlich hergestellten Substratmatten in Plastikfolie. Sie sind viel schneller reif und können fast das ganze Jahr über geerntet werden, aber umweltfreundlich und qualitativ ist das nicht.

Mit saisonalen und regionalen Nahrungsmitteln unterstützen wir nicht nur lokale Bauern, sondern auch unsere Gesundheit. Mehr Nährstoffe auf dem Teller und weniger CO2 in der Luft.

Tipp 3: Gesunder Boden – gesunde Nahrung

Nur eine Landwirtschaft, die auf einen gesunden Boden setzt, ist eine nachhaltige Landwirtschaft. Mittlerweile ist bekannt, wie stark chemische Dünger, Pestizide und Monokulturen das unheimlich faszinierende Bodenleben und die biologische Vielfalt negativ beeinträchtigen.

Hier geht es nicht nur um den Regenwurm, sondern um alle Bakterien und Pilze, die noch nahezu unerforscht sind. Der Humus, die schwarze Erde, die Grundlage unserer Nahrung wurde die letzten Jahrzehnte stetig abgebaut. Dadurch wurde auch einer der größten CO2-Speicher beschädigt.

Wir müssen zurück zu einer Landwirtschaft, die humusaufbauend wirtschaftet und wieder mehr CO2 speichern kann. Gleichzeitig werden unsere Lebensmittel mit Nährstoffen vollgepackt, weil sie eine Symbiose mit dem unfassbar komplexen Bodenleben eingehen.

Ein gesunder Boden bietet, aufgrund seiner Fähigkeit CO2 zu speichern, enormes Potential für den Klimaschutz!

Tipp 4: Richtige Lebensmittel

Bequemlichkeit und Stress treibt leider viele Menschen zu Fertignahrung, welcher meistens auch noch sehr viel Zucker zugesetzt wird. Statt dem vorgefertigten Essen, welches auch als Convenience Food bezeichnet wird, sollten wir auf frisch zubereitete Lebensmittel setzen.

Die besten Nahrungsmittel sind immer die, welche keine Zutatenliste brauchen. Hierbei sind wir nicht nur gesundheitlich auf der sicheren Seite, sondern auch die Umwelt wird weniger belastet.

Zu meinen Kunden sage ich immer „Fertignahrung macht euch wirklich fertig!“.

Tipp 5: Zucker stark reduzieren

Während der letzten Jahrzehnte ist der Zuckerkonsum auf ein Niveau gestiegen, das nicht nur für viele Krankheiten verantwortlich sein kann, sondern auch der Umwelt schadet.

Der Zuckerrübenanbau soll schnell und billig sein. Chemische Spritzmittel, schnelle Ernteverfahren mit schweren Maschinen, wo viel Erde und guter Boden verlorengehen.

Übergewicht und Diabetes betreffen mittlerweile auch immer mehr Jugendliche und Kinder. Weil isolierter Zucker dem Körper nichts gibt und auf Dauer unseren Organismus überlastet, sollten wir versuchen ihn auf ein Minimum zu beschränken.

Tipp 6: Verpackungen und Müll reduzieren

Jeder kann mit einfachen Veränderungen des Lebensstils etwas Positives zum Klimaschutz beitragen. Mehrweg statt Einweg ist die Devise.

Angefangen bei Einkaufstaschen aus Stoff, bis hin zur unzerstörbaren Eisenpfanne in der Küche. Je länger wir etwas verwenden, desto besser.

Auch mit gesunden Lebensmitteln können wir Müllberge sparen. Natürliche Lebensmittel, welche keine Zutatenliste brauchen, gibt es ohne Verpackungsmüll zum Beispiel auf Wochenmärkten.

Tipp 7: Mehr Gemüse

Mehr Gemüse aus regionalem und saisonalem Anbau ist ein großer Schritt in Richtung einer gesunden Umwelt und eines gesunden Körpers. Noch besser wäre sogar, wenn wir einen eigenen Garten hätten, wo wir ein paar Lebensmittel anbauen können.

Beim Einkauf sollten wir darauf achten, dass wir lange Transportwege vermeiden und dass das Gemüse in einer nachhaltigen Landwirtschaft angebaut wurde. Die meisten Menschen essen viel zu wenig Gemüse und viel zu viel billiges Fleisch.

Der Gemüseanteil in der Ernährung sollte auf mindestens drei Portionen am Tag hochgeschraubt werden. Eine Portion entspricht ungefähr einer geballten Faust. Der positive Nebeneffekt zu allen anderen Vorteilen ist, dass wir auch überschüssige Fettpölsterchen verlieren.

Tipp 8: Weniger Fleisch ist mehr

Besonders das Fleisch aus Intensivtierhaltung belastet die Umwelt und unseren Körper. Ich sehe es als unsere Pflicht, jedem Tier ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Es ist einfach nur traurig, dass ein Huhn im Discounter oft weniger kostet als ein paar Gramm Erbsen.

Die meisten Tiere werden auf Leistung hochgezüchtet und leben viel kürzer, als sie sollten. Eine Kuh gab früher 5-10 Liter Milch am Tag. Heute gibt eine Hochleistungskuh 50-100 Liter am Tag! Die Leistung, die ihr abverlangt wird, ist enorm und macht sie krank. Wir müssen zurück zum Sonntagsbraten und dabei stark auf die Qualität achten. Tiere gehören auf die Wiese und auf die Alm und nicht in einen Betonklotz.

Wenn ein Tier richtig gehalten wird, dann schadet es auch nicht der Umwelt, sondern im Gegenteil, es hilft bei einer nachhaltigen Landwirtschaft.

 

Die Kuh als Beispiel:

Anita Idel beschreibt in ihrem Buch „Die Kuh ist kein Klimakiller“ sehr gut, dass die intensive Landwirtschaft und Monokulturen mit synthetischem Dünger die biologische Vielfalt und gesunde Böden für die CO2 Speicherung stark verdrängen.

Wenn die Kühe in einer Intensivtierhaltung gehalten werden, kommen zusätzlich auch noch die Emissionen vom Futteranbau dazu, weil die Kühe zu einem großen Teil leider mit Körnern gefüttert werden, statt mit Gras.

Würden die Tiere im Einklang der Natur gehalten, das heißt auf der Weide oder auf der Alm, dann würde jedes Tier dazu beitragen, dass durch gesunden Humusaufbau zusätzliches CO2 im Boden gespeichert werden kann.

Durch die richtige Haltung im Kreislauf der Natur ist das Nutztier plötzlich ein Klimaretter und kein Klimakiller mehr.

Nicht nur für das Wohl der Tiere, sondern auch für eine bessere Umwelt, kann jeder etwas für das Klima tun, indem er die richtigen Lebensmittel kauft.

 

Fazit – Umwelt und Ernährung:

Es geht darum wieder mehr mit der Natur anstatt gegen sie arbeiten. Es ist ein Kreislauf, der nachhaltig funktioniert. Eine bewusste, gesunde Ernährung ist nicht nur wichtig für unsere Gesundheit, sondern auch für das Klima.

Vegane und vegetarische Ernährung kann nachhaltig sein, muss sie aber nicht. Genauso schädigen tierische Produkte nicht immer das Klima. Es kommt immer darauf an, wie die Tiere leben. Ich hege große Hoffnung in uns Menschen, dass wir in Zukunft wieder vermehrt nachhaltige Lebensmittel produzieren.

Eines sollte uns allen klar sein: Wir schützen unser Klima nicht wegen der Erde. Die Erde und die Umwelt würden sich nach ein paar hundert Jahren ganz bestimmt von der Menschheit erholen. Wir tun das für alle Lebewesen, die auf dieser Erde leben, nicht nur für die Zukunft, sondern für das Hier und Jetzt.