Wer kennt das nicht: Gleich gehts in den Urlaub oder den Wochenendtrip und der Kühlschrank ist voll mit Lebensmitteln, die nicht mehr so lange überleben. Was also tun? Wegwerfen? Heidi List hat sich Foodsharing – eine preisgekrönte Alternative – angesehen.

 

Wer auf der Suche nach Informationen zu einer echten Alternative für den achtsamen Umgang mit Lebensmitteln ist, könnte auf foodsharing.at fündig werden. Dort findet man eine Online – Lebensmittelverschenk-Plattform, über die Privatpersonen, aber auch Supermärkte, Bäckereien, Gastronomen, Bauern, Handel, Vereine etc. kostenlos Essen anbieten und abholen können.

(C) raphaellfellmer.de

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Die Idee dazu kam Gründer Valentin Thurn im Rahmen der Dreharbeiten zu seinem Dokumentarfilm „Taste The Waste.“ Er stellte fest, dass die Menschen mit einer gewissen Ohnmacht die Meldungen darüber aufnehmen, in welchem enormen Ungleichgewicht weltweit mit Lebensmitteln umgegangen wird. Denn auf der einen Seite gibt es diese entsetzliche Armut und Lebensmittelknappheit, während auf der anderen Seite jährlich 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel auf dem Müll landen. Aber wie könnte jeder ganz individuell zu einer Verbesserung dieser Situation beitragen?

 

Es galt eine Möglichkeit dafür zu entwickeln, einerseits kompetent und fundiert dafür Sorge zu tragen, in unseren Breiten die allgemeine Wertschätzung für Lebensmittel zu steigern, also die Menschen für das Thema zu sensibilisieren. Und gleichzeitig eine zeitgemäße und effektive Form dafür zu finden, es sowohl Privatpersonen, als auch dem Handel, Vereinen oder ProduzentInnen zu ermöglichen sich zu vernetzen und voneinander profitieren zu können. Valentin Thurn gründete dafür mit Gleichgesinnten einen Verein, die Idee von foodsharing.de war geboren.

 

(C) foodsharing.de

(C) foodsharing.network

 

Das Ganze funktioniert so, dass registrierte NutzerInnen digital Essenskörbe erstellen und zu verschenkende Lebensmittel anbieten. Andere foodsharing-NutzerInnen können diese Angebote auf einer Übersichtskarte für ihre Region einsehen, und bei Interesse anfragen. Und sich mit den Anbietenden zur Abholung der Lebensmittel verabreden. Um auch Menschen zu erreichen, die keinen Internetzugang haben und um die Verteilung von frei zu verschenkenden Lebensmitteln zu vereinfachen, gibt es über 320 „Fair-Teiler“ – das sind öffentlich zugängliche Kühlschränke oder Regale, in denen überschüssige Lebensmittel zur Verfügung gestellt und für den eigenen Bedarf entnommen werden können. In Wien gibt es schon 19 davon, Ziel ist, in jedem Bezirk zumindest einen zu haben. Die geretteten Lebensmittel zu verkaufen, ist dabei strikt verboten, denn das würde der Idee der Initiative im Grundsatz widersprechen. Auch eine Spende für die Lebensmittel zu nehmen, ist nicht erlaubt.

Was dann folge, war eine Erfolgsstory, man hatte mit der Idee anscheinend einen Nerv in unserer Gesellschaft getroffen. Seit dem Start von foodsharing.de im Dezember 2012 haben sich über 130.000 Menschen aus dem deutschsprachigen Raum auf der Webseite registriert und bei Facebook hat die Bewegung knapp 94.000 Fans (Anm.: Stand Oktober 2016).

Zwei Jahre später ging die Plattform in die nächste logische Entwicklung und fusionierte mit der erfolgreichen Berliner Initiative „LebensmittelretterInnen“ rund um einen hoch engagierten Spezialisten des Themas, Raphael Fellmer. Dabei werden noch genießbare, aber nicht mehr verkäufliche, Lebensmittel von Ehrenamtlichen bei Betrieben abgeholt und verteilt. Mittlerweile gibt es in fast allen großen und den meisten kleinen Städten im deutschsprachigen Raum so genannte Foodsaver, also LebensmittelretterInnen, die mit immer mehr Supermärkten, Bäckereien, Gastronomie- und anderen Lebensmittelbetrieben kooperieren und sich gemeinsam gegen die Lebensmittelverschwendung einsetzen. Hierbei werden alle abgeschriebenen bzw. aussortierten Lebensmittel abgeholt- und sofern sie bedenkenlos genießbar sind, wieder verteilt, das heißt an Menschen auf der Straße, gemeinnützige Projekte, Vereine, Suppenküchen, in die Nachbarschaft, an FreundInnen und natürlich wieder über die eigene foodsharing-Plattform.

 

(C) foodsharing.de

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Mittlerweile sind über 18.000 engagierte Menschen in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz akkreditierte Foodsaver. 430 foodsharing-BotschafterInnen koordinieren die Foodsaver-Gruppen in den jeweiligen Regionen, Städten und Bezirken, veranstalten foodsharing-Treffen, öffentliche Events und kümmern sich um bestehende und neue Kooperationen mit Lebensmittelspenderbetrieben. Derzeit kooperiert foodsharing mit über 2.500 Betrieben, die foodsharing aktiv unterstützen. Täglich finden knapp 1.000 Abholungen statt, wodurch bereits 5 Millionen kg Lebensmittel gerettet werden konnten und regelmäßig an über 130.000 Menschen verteilt werden. Im April 2016 wurde foodsharing für sein Engagement gegen Lebensmittelverschwendung in Deutschland mit dem Bundespreis des Ministeriums für Landwirtschaft und Ernährung ausgezeichnet. In Wien freuten sich Fair-Teiler im September 2016 über die Auszeichnung als „Orte des Respekts“. Zu Recht, so finden wir.

 

Links:

Informationen unter foodsharing.network

oder Fragen an wien@foodsharing.network