Paula fragt – Interview mit Lidl Österreich CEO Alessandro Wolf

Mai 19, 2022

Fotocredit: Lidl Österreich

Lieber Hr. Wolf, auf Ihrer Startseite informieren Sie darüber, bis zum Jahr 2023 auf allen Lidl-Filialen Österreichs, welche dafür geeignet sind, Photovoltaik-Anlagen installieren zu wollen. Ist dieses Ziel aus heutiger Sicht erreichbar?

Das Ziel ist sehr realistisch und wir liegen gut in der Zeit. Allein im vergangenen Jahr haben wir rund sechs Millionen Euro in den Ausbau von Photovoltaikanlagen investiert und damit über 60 neue PV-Flächen auf den Dächern von Filialen und Logistikzentren errichtet. Österreichweit ist die gesamte Fläche bereits größer als fünf Fußballfelder und produziert so viel Strom, dass man damit über 1.600 Haushalte versorgen könnte. Den Großteil des gewonnenen Stroms nutzen wir direkt an den Standorten – wie zum Beispiel für die LED-Beleuchtung oder unsere E-Tankstellen. Das spart Energie und schützt unser Klima. Übrigens: Schon jetzt werden alle Filialen, Logistikzentren und die Zentrale in Salzburg ausschließlich mit grünem Strom aus Österreich betrieben.

 

Wie steht es um das Vorhaben, auf Mikroplastik in allen Kosmetikprodukten der Lidl-Eigenmarke bis Ende des Geschäftsjahres 2021, zu verzichten?

Auch hier haben wir schon viel erreicht. Rund 75 % unserer Kosmetik-Eigenmarken, die wir in Österreich verkaufen, sind bereits frei von Mikroplastik. Damit unsere Kund:innen auf den ersten Blick erkennen können, welche Produkte laut Rezeptur mikroplastikfrei sind, haben wir auch ein Siegel „ohne Mikroplastik“ für Produkte im Kosmetik- und Körperpflegebereich eingeführt. Bereits seit 2015 beschäftigen wir uns konzernweit intensiv mit der Thematik. Wir haben hier noch viel vor und arbeiten natürlich weiterhin am Verzicht von Mikroplastik in allen Produkten, bei denen der Verzicht auf synthetische Polymere keine erheblichen Einschränkungen der Produktleistung oder -sicherheit mit sich bringt.

 

Bereits seit 2017 bieten Sie ihr gesamtes Basis-Fischsortiment MSC-, ASC- oder Bio-zertifiziert an. In Ihrem Nachhaltigkeitsbericht schreiben Sie, dass Sie bis Ende des Geschäftsjahres 2022 den Anteil an zertifizierter Aktionsware auf 50 % steigern wollen. Werden Sie dieses Ziel erreichen und setzen Sie sich darüber hinaus für nachhaltigen Fischfang ein?

Ja, wir werden dieses Ziel erreichen. Stand Ende des Geschäftsjahres 2021, sind bereits 92 % der Fische aus Aquakultur und Wildfang (ausgenommen Thunfisch) zertifiziert.

Wir arbeiten grundsätzlich nur mit Lieferanten zusammen, die sich für einen nachhaltigeren Fisch – fang und eine nachhaltigere Produktion einsetzen. Unsere Wildfische beziehen wir ausschließlich von Lieferanten, die beim Fischfang sensible Tiefseelebensräume wie Korallenriffe, Seeberge, Canyons etc. meiden. Bei der Gestaltung unseres Sortiments konzentrieren wir uns auf möglichst ungefährdete Fische und Meeresfrüchte. Deshalb bieten wir keine Fischarten an, die von gefährdeten oder überfischten Beständen stammen oder vom Aussterben bedroht sind.

Seit September 2018 engagieren wir uns außerdem als Mitglied in der Global Ghost Gear Initiative (GGGI). Sie ist eine branchenübergreifende Allianz, die sich zum Ziel gesetzt hat, durch den Abbau und die Entsorgung von Meeresmüll den Zustand der Meeresökosysteme zu verbessern, Meerestiere sowie die menschliche Gesundheit zu schützen.

 

Mit den sogenannten „Rette mich Boxen“, die aus Obst und Gemüse bestehen, das nicht mehr makellos und taufrisch ist, möchte Lidl der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken. Wie wird dieses vergünstigte Angebot von den Kundinnen und Kunden angenommen?

Unsere KundInnen waren vom ersten Tag an begeistert. Mittlerweile verlassen jeden Tag bis zu 1.000 Boxen unsere Filialen. Mehr als eine Million Kilogramm Obst und Gemüse wurden so bereits vor der Biotonne gerettet. Das wirkt sich natürlich auch positiv auf die Umwelt aus. Durch die Boxen retten wir jährlich Obst & Gemüse, das einem CO2-Äquivalent von rund 50 Tonnen entspricht.

 

Ihren Umweltstandards ist unter anderem zu entnehmen, dass Ihr Discounter hohen Wert auf Tierwohl legt. Wie sieht es eigentlich mit dem Angebot veganer Produkte in Ihrem Sortiment aus?

Vegane Ernährung ist längst mehr als ein Trend, es ist mittlerweile eine Lebenseinstellung. Bis 2025 möchten wir hier auf über 400 Produkte aufstocken, aktuell sind es bereits mehr als 250. Unser Ziel ist ganz klar, im Diskontbereich beim veganen Angebot die Nummer eins zu sein. Damit wollen wir auch nicht nur die Veganer ansprechen, sondern die große Gruppe der Flexitarier, die sich bewusst für weniger tierische Produkte entscheiden.

 

Ein Aspekt Ihrer Klimaoffensive ist es, die betriebsbedingten Emissionen bis zum Jahr 2030 um 42 Prozent verglichen mit 2019 zu verringern. Welche Maßnahmen sind vorgesehen, um dieses ambitionierte Ziel erreichen zu können?

Wo immer es möglich ist, vermeiden und reduzieren wir den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase. Beispielsweise nutzen wir bereits seit einigen Jahren 100 % Grünstrom für alle unsere Gebäude. Bis 2030 beliefern wir unsere Filialen mit 100 % alternativ angetriebenen Fahrzeugen. Den ersten Test dazu haben wir bereits diesen April gestartet. Dazu kommt, dass wir die Fahrzeuge ausschließlich mit Grünstrom aus der hauseigenen Photovoltaikanlage auf dem Dach des Logistikzentrums versorgen können. Das ist nachhaltige Logistik. Bis 2036 stellen wir zu 100 % auf natürliche Kältemittel oder umweltfreundlichere Alternativen um. Außerdem setzen wir auf nachhaltige Energie aus erneuerbaren Quellen. Neben moderner Wärmepumpentechnologie hat dabei die Sonnenenergie einen besonders hohen Stellenwert: Bis 2023 hat jede Lidl Filiale, bei der das möglich ist, eine Photovoltaikanlage. Jede zweite Filiale bekommt bis 2025 eine E-Tankstelle. Und für die CO2-Emissionen, die heute noch nicht vermeidbar sind, investieren wir in anerkannte zertifizierte Klimaschutzprojekte.

 

 

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Paula Hofstetter

 

Paula ist 16 Jahre alt und geht ins Gymnasium in Bruck an der Leitha.

Sie interessiert sich für Klima, Umwelt und wie die Welt von morgen für ihre Generation aussehen wird.

Im Rahmen von MUTTER ERDE „Klima und Energie“ geben wir Paula die Möglichkeit Prominente, Expertinnen, Unternehmen – zusammengefasst Menschen, die unser aller Zukunft in der Hand haben – zu befragen.

Paula fragt, was sie beschäftigt. Entscheidungsträger antworten.