Schon mal aufgefallen? Im Lebensmittelhandel wird vorwiegend „schönes“ Obst und Gemüse angeboten. Es scheint beinahe, als wäre der Drang zum perfekten Produkt anerzogen. Warum Obst und Gemüse nicht bei den Verbrauchern auf dem Teller landen, haben jetzt GLOBAL 2000 und das Institut für Abfallwirtschaft der BOKU im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums herausgefunden: übertrieben hohe Vermarktungsnormen des Lebensmittelhandels sind Ursachen für hohe Verluste an genießbaren Lebensmitteln in der Landwirtschaft.


 

Die Landwirte müssen produzieren, was der Handel will.

Übertriebene Vermarktungsnormen sind der Hauptgrund für Lebensmittelverluste in der Landwirtschaft. „Das Nicht-Erfüllen von Vermarktungsnormen des Lebensmitteleinzelhandels ist bei allen untersuchten Produkten für mehr als die Hälfte der Lebensmittelverluste verantwortlich“, weiß Gudrun Obersteiner vom Abfallwirtschaftsinstitut der BOKU. Jenes Obst und Gemüse, das nicht das gewünschte Aussehen aufweist, „verschwindet“ aus der Nahrungskette.

 

Energie aus Erdbeeren und Tomaten

Erdbeeren oder Salat konnten im betrachten Zeitraum zum Teil aufgrund von Witterungsschäden nicht geerntet und verkauft werden. Bei Erdäpfeln wird eine nennenswerte Menge der nicht vermarkteten Ware unter anderem als Tierfutter eingesetzt. Aus Chinakohl, Tomaten, Erdbeeren und Jungzwiebel wird in Biogasanlagen Energie erzeugt. Marktüberschuss stellt für Häuptelsalat einen wichtigen Grund für Verluste dar, die Erntetechnik spielt bei Erdäpfeln und Lauch eine Rolle.

 

Auch ‚zweibeinige‘ Karotte schmeckt

„Kunden sind bereit, auch krummes oder vermeintlich unschönes Obst und Gemüse zu kaufen, wenn Sie über die Folgen des grassierenden Schönheitswahns Bescheid wissen. Eine ‚zweibeinige‘ Karotte schmeckt genauso gut wie ihre vermeintlich makellose Schwester“, betont Bernhard Wohner von GLOBAL 2000. Ein erfolgreiches Beispiel sei die Eigenmarke „Wunderlinge“, die seit Herbst 2013 bei REWE erhältlich ist. Dabei wird Gemüse angeboten, das nicht den herkömmlichen Schönheitskriterien entspricht.

Im Rahmen der Studie im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums antworteten österreichweit 287 Produzenten (462 befragte) und 71 Lieferanten (78 wurden insgesamt befragt). Erhoben wurde, warum Produkte nicht im Handel landen. Die Erhebung liefert erstmals in Österreich eine Orientierung über die Gründe von Lebensmittelverlusten in der österreichischen landwirtschaftlichen Produktion. Die Erhebung berücksichtigte jedoch nur eine Ernte und die Anzahl der befragten Betriebe ist auch begrenzt, was Aussagen über Gesamtverluste in der Landwirtschaft im Sinn einer Hochrechnung unmöglich macht.

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