Nachhaltig konsumieren – Politik und Wirtschaft in der Pflicht

Hugo-Maria

Schally

EU-Kommission

Sie sind einer der wichtigsten Experten für Kreislaufwirtschaft europaweit und wissen viel über nachhaltigen Lebensstil. Wie geht es Ihnen im Privaten, im Supermarkt oder wenn Sie essen gehen? 

Ich sehe, dass die Wahlmöglichkeit für KonsumentInnen noch immer sehr eingeschränkt ist. Ein „ nachhaltiger „ Lebensstil ist nach wie vor mit einiger Anstrengung verbunden. Um Nachhaltigkeit in den allgemeinen Lebens- und Konsumstil einzubetten, müßte es einfacher werden so zu leben. KonsumentInnen haben auch nach wie vor nicht die notwendigen Informationen über die wesentliche Eigenschaften von Produkten und Dienstleistungen: etwa wie lange diese Produkte halten werden und ob sie reparierbar sind. Der Umweltfußabdruck ist für die KonsumentInnen nicht ersichtlich. Dies fällt mir im Privaten sehr auf!

92,5% der Rohstoffe, die die europäischen Wirtschaft verarbeitet, kommen aus so genannten primären Rohstoffen und nur 7,5% aus sekundären, also recycelten. Das heißt: wir brauchen immer neues Material. Wiederverwendet und recycelt wird seltener als wir alle denken. Wie schnell können wir das ändern? 

Eine Änderung ist innerhalb der nächsten Jahre möglich, wenn die Politik diese Veränderung will. Es muss uns KonsumentInnen – anders als derzeit – einfach gemacht werden, sich verantwortlich zu verhalten! Das heißt, dass das Angebot an Waren und Dienstleistungen für die Verbraucher angepasst und die entsprechende Infrastruktur zu schaffen ist. Dann könnten in größerem Ausmaß Sekundärrohstoffe (Anm.: also etwa aus Recycling) in neuen Produkten zum Einsatz kommen. Dann und nur dann könnten die Anreize existieren, damit die Wirtschaft in Design und Produktion umstellt.

Es heißt immer wir würden auf Pump leben und „Würden alle so leben würden wie wir, auf so großem Fuß“, bräuchte es drei Erden. Wie schaffen wir hier eine Trendumkehr?

Seit 1972 – als wir mit der Arbeit an einem globalen Nachhaltigkeitsprojekt begonnen haben – ist auf dem Gebiet der Umweltpolitik extrem viel passiert. De facto ist die Umwelt in vielen Teilen der Welt heute sauberer und lebenswerter als in den 60er Jahren. Dennoch haben wir weiterhin ein großes Problem der überzogenen Nutzung unserer endlichen Ressourcen – nicht zuletzt weil die Weltbevölkerung und deren Bedürfnisse im gleichen Zeitraum stark zugenommen haben. Es geht nicht darum etwas aufzugeben, was wir brauchen. Es geht darum unsere Ressourcen so zu nutzen, dass wir weiterhin ein lebenswertes Leben führen können. Alle müssen dazu beitragen, dann können wir es auch schaffen.

Wenn Rohstoffe knapper werden, müssten sich diese auch verteuern. Müssen wir mit diesen Szenarien rechnen und in welchen Zeitraum? 

Die international Rohstoffmärkte sind komplex – Verknappung und Preisschwankungen folgen nicht immer objektiven Szenarien. Kurzfristig sollten wir noch nicht mit solchen Verknappungen rechnen, aber wohl mit starken Schwankungen der Preise. Diese Schwankungen können kurzfristig sehr negative Folgen für unser Wirtschaft und die KonsumentInnen haben. Deshalb macht es auch Sinn sich schon jetzt mit der Versorgungssicherheit durch Sekundärrohstoffe zu befassen – nicht zuletzt als Teil einer europäischen Industriestrategie, welche diese Sekundärrohstoffe bestens gebrauchen könnte!

Wo sehen sie die größte Bereitschaft unsere Verschwendung anzugehen? In der Wirtschaft und bei den Unternehmen, der Politik oder bei den BürgerInnen und KonsumentInnen?

Wenn man den Umfragen glauben kann sind es die BürgerInnen. Leider scheinen sich die KonsumentInnen nicht ganz dieser Bereitschaft gemäß zu verhalten. Die liegt aber oft auch daran, dass es nicht immer so einfach nachhaltig zu leben und zu verbrauchen – trotzdem wissen es die Leute eigentlich. Es müssen nur die Voraussetzungen für ein nachhaltiges Konsumverhalten geschaffen werden – hier sind die Politik und die Wirtschaft in der Pflicht!

Hugo-Maria Schally ist der „Mr. Circular Economy“ der EU-Kommission. Der Österreicher ist Abteilungsleiter in der Directorate General für Umwelt und hier für die multilaterale Zusammenarbeit im Bereich Umweltschutz zuständig. Schally hat in Graz Jura studiert und ist nach einer kurzen Karriere als Anwalt in den diplomatischen Dienst gewechselt. Er arbeitet seit Jahrzehnten im Umweltschutzbereich.

 

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