Wortspende: Wir haben die Durchschlagskraft etwas zu bewegen

Katharina

Rogenhofer

Fridays for Future & Klimavolksbegehren

„Fridays for Future“ haben schon viele Menschen in Österreich und weltweit bewegt. Seid ihr zufrieden mit den Reaktionen, die ihr ausgelöst habt?

Das Thema Klimakrise ist endlich angekommen. Die Bereitschaft der Menschen sich zu beteiligen ist groß. Wir hatten 8000 Menschen beim 2. Weltweiten Klimastreik und an die 30.000 Menschen beim gemeinsamen Streik mit Greta Thunberg vor 2 Wochen. Wir sind mittlerweile eine globale Bewegung geworden, mit Streiks in 120 Ländern, und wir wachsen. Diese politische Form der Partizipation ist – in Anbetracht der Dringlichkeit – auch angemessen. Vor Kurzem hat es noch geheißen, „Ja, der Klimawandel kommt, nehmt halt kein Plastiksackerl mehr“. Aber gemeinsam haben wir größere Durchschlagskraft etwas zu bewegen. Die Menschen nehmen nun unterschiedliche Werkzeuge in die Hand: Von Streiks, über Volksbegehren und Petitionen bis hin zu Klimaklagen, die es in manchen Ländern schon gibt.

 Braucht so eine Bewegung Personen wie Greta Thunberg, die ein Gesicht nach außen sind?

Ja, diese Bewegung würde es nicht in dieser Form gegeben, wenn sie nicht gewesen wäre. Sie hat dazu beigetragen, dass das Thema unter einem anderen Gesichtspunkt beleuchtet wurde: vielen ist klar geworden, dass es um die Zukunft der Kinder geht. Damit fangen viele Menschen etwas an. Das hat es gebraucht, um diese Breite zu kriegen. Sie ist mittlerweile schon lange nicht mehr die einzige Person, die die Bewegung trägt, hat aber die Initialzündung dazu gegeben. Es geht bei unseren Protesten aber nicht um die Menschen, die in der Auslage stehen, sondern darum, dass jetzt Handlungen von den Regierenden folgen müssen, denn die Zeit drängt.

Welche sollten nun aus eurer Sicht folgen?

Zum Beispiel eine Ökologisierung des Steuersystems. Es wird zwar schwierig sein die Übergangsregierung dafür zu gewinnen, aber im Herbst finden Wahlen statt und mittlerweile hat sogar die FPÖ angekündigt, sich dem Thema Klimakrise zu widmen. Es ist jedenfalls wichtig, dass die Klimafrage politisiert wird. Lange hat man uns erzählt: der Einzelne ist verantwortlich für eine nachhaltige Zukunft. Was jeder einzelne tut ist wichtig, aber es ist ein politisches Problem, das von Politikern gelöst werden muss und nicht alleine durch unsere Konsumentscheidungen. Und viele Menschen können sich das gar nicht leisten. Es braucht Rahmenbedingungen, die klimafreundliches Handeln ermöglichen und leistbar machen.

Die Frage der Leistbarkeit kommt immer wieder. Aber gerade Menschen mit geringem Einkommen leben auch nachhaltiger und haben einen besseren ökologischen Fußabdruck, weil sie etwa kleinere Autos fahren oder keine Fernflüge machen. Woran denkst du beim Thema Leistbarkeit?

 Es geht darum, dass beim Aufruf an uns BürgerInnen ökologisch zu handeln, Menschen mit weniger Einkommen eigentlich keine Wahl haben sich für die nachhaltige Variante zu entscheiden. Die ist nämlich oft teurer. Ein Beispiel von mir: ich habe in England studiert und bin immer mit dem Zug gefahren. Es braucht 26h und kostet dreimal so viel, selbst wenn man früh bucht.

 Wir behandeln derzeit bei MUTTER ERDE das große Thema Konsum und Wegwerfgesellschaft. Wo siehst du hier Handlungsbedarf?

Wir müssen unser gesamtes Wirtschaftssystem umkrempeln und über Wirtschaft völlig neu nachdenken. Dinge sollten reparierbar sein und länger halten und Wirtschaftswachstum als alleiniges Ziel muss in Frage gestellt werden. Neuseeland geht mit gutem Beispiel voran. Hier geht man weg davon das Bruttoinlandsprodukt als einzigen Indikator dafür herzunehmen, wie es der Gesellschaft und dem Staat geht. Da geht es darum, den Erfolg anders zu messen, denn Produktivität und wirtschaftliches Wachstum sollten nicht mehr die einzigen Maßstäbe sein.

 Das Klimavolksbegehren ist eine weitere Initiative die von dir getragen wird. Wie geht es hier weiter?

Mitte Juni wollen wir unsere Forderungen präsentieren und über den Sommer mit Crowd-Funding Geld für die Bewerbung des Volksbegehrens sammeln. Nach der Wahl werden wir mit dem Sammeln der Unterstützungserklärungen beginnen. Da das Thema nun bei allen Parteien angekommen ist, wird es auch darum gehen, die Parteien nach dem Wahlkampf an ihre Versprechen zu erinnern. Wir wollen die Anwälte der Klimabewegung im Parlament sein.

Katharina Rogenhofer absolvierte ihren Master in „Biodiversity, Conservation and Management“ an der Universität Oxford und arbeitete danach bei der Klimarahmenkonvention der UNO. Im Zuge ihrer Tätigkeit besuchte sie den Klimagipfel in Katowice, bei dem sie auch Greta Thunberg kennenlernte. Von ihr inspiriert initiierte sie gemeinsam mit Freunden FridaysForFuture in Wien. Mittlerweile ist sie die Sprecherin des Klimavolksbegehrens, das im Herbst mit dem Sammeln von Unterstützungserklärungen starten wird. 

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Gegentrends & Lösungsansätze

 

Natürliche Ressourcen, wie Rohstoffe, Wasser, produktive Böden und funktionierende Ökosysteme bilden die physische Grundlage für alles Leben auf unserem Planeten. Mit der steigenden Ressourcennutzung verstärken sich eine große Anzahl an Umweltproblemen, allen voran der Klimawandel. Wir brauchen Gegentrends und Lösungsansätze.

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Konsum Allgemein

 

Zwischen Konsum und Kaufen liegt ein erheblicher Unterschied. Immer mehr Güter werden gekauft, jedoch immer seltener werden diese auch wahrhaft konsumiert (ge- oder verbraucht). Die Bedeutung des Kaufens hat viele negative Konsequenzen auf individueller und umweltbezogener Ebene genauso wie beim Verbrauch von Ressourcen.

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Textilien

 

Mehr als 100 Millionen Tonnen Fasern werden jährlich, mit steigender Tendenz, produziert. Zwei Drittel davon sind synthetisch und basieren auf Rohöl, ein Viertel davon ist Baumwolle, welche zum Wachsen viel Land, Wasser und Pestizide benötigt. Viele Textilien werden nie getragen und gerade in Europa ist Kleidung immer billiger und damit zur Wegwerfware geworden.

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Abfall

 

Je mehr wir konsumieren, umso mehr Ressourcen verbrauchen wir und umso mehr Abfall fällt an. Dass wir weltweit immer mehr Ressourcen brauchen und die daran gekoppelte Abfallmenge imme größer wird, gehört zu den größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.

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Die Lösung besteht aus vielen kleinen Änderungen unseres täglichen Lebens. Jeder Einzelne hat es in der Hand und kann viel bewirken, und viele bewirken längst – erfolgreich.

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Seit den 70er Jahren hat sich der globale Ressourcenverbrauch verdreifacht, die Menge des anfallenden Elektroschrotts sogar vervierfacht. Rohstoffe gehen verloren, da nur ein kleiner Teil davon recycelt wird. Der Elektrogeräteabfall ist laut EAK der am schnellsten wachsende Abfallbereich.

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Konsum Einwegverpackungen

 

Einwegverpackungen sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Abfalls, unser Hausmüll steigt von Jahr zu Jahr. Mehrwegsysteme wurden durch Einwegverpackungen ersetzt. In Österreich landen jährlich 300 Millionen Coffee-to-go Becher im Müll.

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Greenwashing

 

Greenwashing oder Grünfärberei wird schon lange diskutiert und damit werden Kommunikations- und CSR-Maßnahmen oft größerer Unternehmen bezeichnet, die aufgrund umweltschädlicher Produktionsweisen (Palmöl, Kinderarbeit, Wasserverschmutzung u.s.w.) in Verruf geraten waren. Mittels „Greenwashing“ würden sie dieses schlechte Image zurechtrücken wollen, so Kritiker wie etwa Werner Boote.

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